Camper Nomads Portraits | Anja Müller – Übersetzerin

von | Nov 2, 2018 | Camper Nomads Portraits, Podcast | 0 Kommentare

Camper Nomads Portraits | Anja Müller

Hallo, Salut, Servus, Cześć, Hola, Приве́т — hier ist die Sprachen begeisterte Anja, Jahrgang 1980.

Bereits in der Schule haben mich Sprachen fasziniert und so lernte ich freiwillig neben Englisch und Französisch auch Russisch. Was jedoch oft — gerade hinsichtlich Grammatik — manchmal eher ein Kampf war, mir aber später noch sehr nützen sollte.

In meiner zweijährigen Ausbildung zur Internationalen Touristikassistentin kam noch Spanisch hinzu und während der beiden Praktika lebte ich zum ersten Mal jeweils für mehrere Wochen im Ausland: direkt nach einem Jahr Berufsschulspanisch in Andalusien, Spanien, und zum Abschluss der Ausbildung auf Korsika, Frankreich. Und trotz mancher Widrigkeiten, die mich jedoch einige Erfahrungen sammeln ließen, habe ich es geliebt und wäre am liebsten einfach immer nur weiter gereist.

Nach der Ausbildung begann für mich eine Findungsphase und ich hielt mich ein Jahr lang mit Babysitten, Pizza ausliefern, Promotionjobs und ein paar Wochen Arbeiten in der Schweiz über Wasser. Auch diese Erfahrungen möchte ich nicht missen.

 

Das Fundament fürs Business

Als ich meinte, mich gefunden zu haben und mit einem Studium der Heil- und Behindertenpädagogik meiner „sozialen Ader“ nachgehen wollte, holte mich schnell die Realität ein. Und zwar in Form eines Numerus Clausus. Diesen wollte ich zunächst mit Wartesemestern überwinden und entschied mich an derselben Hochschule (Zittau/Görlitz) für den brandneuen, NC-freien Studiengang Übersetzen Englisch/Polnisch. Als ich nach einem Jahr überlegte zu wechseln, meinten jedoch die Dozenten, dass ich mit meinem recht schnellen Verständnis für die polnische Sprache — hier kamen mir meine Russischkenntnisse zugute — unbedingt das Übersetzerstudium weiterverfolgen sollte. Auch waren mir noch Stimmen von Familie und Freunden im Ohr, auf jeden Fall „was mit Sprachen“ zu machen.

Nach neun Semestern, inklusive Praxissemester in einem Übersetzungsbüro in Szczecin (Stettin), Polen, durfte ich mich Anfang 2006 dann Dipl.-Übersetzerin nennen, arbeitete aber zunächst knapp fünf Jahre an der Hochschule und koordinierte hier zwei Deutsch-Onlinekurse. Im Zuge dessen hatte ich das Privileg, eine Dienstreise in die Türkei und insgesamt vier nach Sibirien zu unternehmen. In diesen Ländern durfte ich kennenlernen, was Gastfreundschaft heißt und war froh, mich wenigstens in Russland in der Landessprache verständigen zu können.

Türkisch wollte ich am liebsten auch gleich lernen, aber vor Ort brauchte ich es nicht wirklich und seither war ich leider auch nicht mehr da. Ein paar Brocken übte ich trotzdem, denn ich möchte in jedem Land wenigstens in der Landessprache grüßen und mich bedanken können. Auf meinen späteren Reisen in Länder, deren Sprache ich nicht mächtig bin, war auch das mein absolutes Minimum, nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch aus Respekt den dort lebenden Menschen gegenüber.

                        

Zu Gast auf der Insel Olchon, Baikalsee, Sibirien,  Russland (2010)                                E-Mails checken in der Souvenir-Internet-Jurte auf Olchon

                                                                               

Mein Weg in die Selbstständigkeit …

Aber zurück zu meinem weiteren beruflichen Weg: Ende 2010 liefen die Projekte an der Hochschule aus und da ich zunächst gern nach Dresden zurück und in meinen Beruf als Übersetzerin einsteigen wollte, bereitete ich alles für eine Selbstständigkeit vor: Kontakte knüpfen, Gründungszuschuss beantragen, sogar ein eigenes Büro hatte ich. Mit viel Glück und starkem Willen war mein Start richtig gut. Ich fühlte mich ganz wohl, konnte mir meine Zeit frei einteilen und hatte durch das Büro auch täglich soziale Kontakte, ganz offline sogar. Und familiär, da sich mein Büro in den Räumlichkeiten der Allianz-Agentur meiner Mama und meines Bruders befand.

 

… und in die Krise

Nach etwa drei Jahren brach mir allerdings mein erster und bis dato immer noch größter Kunde weg und es gelang mir nicht, diese recht große Lücke mit neuen Kunden zu schließen. Jedenfalls nicht zeitnah genug, um vernünftig davon leben zu können. Als meine Existenz bedroht war, verlor ich ein wenig die Motivation an der Selbstständigkeit und begann im Sommer 2014 für ein paar Stunden in der Woche am Flughafen in Dresden zu arbeiten. Am Anfang war das noch ganz spannend, ich habe viel Neues gelernt und es war auch mal interessant, in einem großen Team zu arbeiten, aber wirklich wohl gefühlt habe ich mich nie.

 

Raus aus der Krise, rein ins Nomadentum

Dieses unwohle Gefühl begann schon damit, vorgeschriebene (und so überhaupt nicht zu mir passende) Kleidung tragen zu müssen. Die ganze Fremdbestimmtheit, also nicht selbst entscheiden dürfen, was ich wann arbeite und mit wem, hat mich im Grunde erst spüren lassen, wie sehr ich doch die Selbstständigkeit vermisse, auch wenn sie kein Zuckerschlecken ist. Meine Motivation, neue Kunden für mein Übersetzerdasein zu akquirieren, wuchs mit jeder Stunde, die ich noch im Kostümchen steckte.

Ab Sommer 2016 kehrte ich dann voll motiviert und erleichtert zu 100 % in meine freiberufliche Tätigkeit zurück. Bereits ein knappes Jahr zuvor hatte ich mich mit Mama und Brüderchen darauf geeinigt, dass sie meinen Büroraum viel besser gebrauchen können und ich fortan ortsungebundener arbeiten möchte. Und zack, schon war ich direkt drei Wochen in Vietnam unterwegs, ebenfalls mit Notebook 🙂

Im Spätsommer 2016 unternahm ich dann eine mehrwöchige Reise nach Spanien und Portugal mit Notebook und ganz viel „wanderlust“ im Gepäck. Wie auf anderen Reisen zuvor merkte ich, dass das Arbeiten von unterwegs zwar ganz neue Herausforderungen mit sich bringt, aber sich mit meinem Job hervorragend vereinbaren lässt.

                 

 Im Coworking Space/Hostel „La Cocotera“ in Tarifa, Spanien, 2016            Auf der Affeninsel in Vietnam, 2015

 

Und nun?

Auf dieser Reise wurde schließlich der Grundstein für mein heutiges CAMPER NOMAD LIFE gelegt: In Tarifa traf ich die wunderbare Niederländerin Ellen de Dreu, die damals in ihrem VW-Bus lebte und arbeitete. Bereits vor dem ersten Gespräch mit ihr hatte ich so ein Gefühl in mir, aber nach diesem stand mein Entschluss fest: Wohnung kündigen, Wohnmobil kaufen, Ausziehen und losziehen!

Die rein praktische Seite meines Plans war relativ leicht umsetzbar, da ich das Arbeiten von unterwegs bereits erprobt hatte und mir mit einem Wohnmobil alles viel einfacher erschien als „nur“ als digitaler Nomade

Die emotionale Seite hatte es allerdings in sich. Nicht für mich selbst oder weil ich an Dingen oder der Heimat hänge. Sondern für meine Familie. Meine Freunde freuten sich von Beginn an für mich, aus Richtung Familie hörte ich größtenteils Bedenken, Sorgen und Nachfragen à la „Wie lange möchtest du das machen?“ oder „Möchtest du deine Wohnung wirklich aufgeben?“. Absolut verständlich, zumal mir auch wirklich handfeste Argumente fehlten, weil ich es einfach aus einer inneren Überzeugung tat und der Wunsch so groß war, es einfach mal zu probieren. Selbst, wenn ich drei Monate später herausgefunden hätte, dass dies nichts für mich ist. Egal, ich brauche keine Sicherheit in Form von vier Wänden. Ich wusste, dass mich dieser Entschluss auf einen Weg führen würde. Auf meinen Weg.

Selbstverständlich wusste ich damals nicht, ob ich das für immer machen möchte, das weiß ich auch heute noch nicht. Und diese Frage kann ich meiner Familie deshalb auch noch immer nicht beantworten. Aber ich bin recht oft in Dresden und verbringe intensiv Zeit mit Familie und Freunden, weil sie mir genau so wichtig sind, wie ich ihnen.

Aber ich kann eine Empfehlung aussprechen: Wenn ihr eine solche Entscheidung fällt und ihr Menschen habt, die euch nahe stehen und deren Umfeld ihr verlasst, setzt euch mit ihnen hin und mit ihren Fragen und Bedenken auseinander. Einfach vor vollendete Tatsachen stellen, ist unfair. Es ist eure Entscheidung und die soll euch keiner ausreden, aber diese Menschen dürfen gern ein bisschen mehr erfahren, um es besser zu verstehen.

 

Albanien, Oktober 2017

 

Meine Herausforderungen unterwegs

Für mich war der Umzug ins Wohnmobil recht einfach, da ich mir auch kein neues Geschäftsmodell überlegen musste, wie ich von unterwegs aus nun Geld verdienen werde. Ich konnte einfach das weitermachen, was ich bereits vorher tat: Übersetzen.

Allerdings hat man beim Arbeiten unterwegs, gerade am Anfang, einige Herausforderungen und Hürden zu meistern, die sich von denen im „normalen“ Alltag schon sehr unterscheiden.

Internet: Ein stets sehr (un)beliebtes Thema aller CAMPER NOMADS bzw. aller Reisenden, die unterwegs online arbeiten. Meine Übersetzungsprojekte sind immer an einen Abgabetermin gebunden und die Frist ist oft recht knapp. Ich muss mir daher meinen Arbeits- bzw. Stellplatz nach dem bestmöglichen Empfang aussuchen. Auch wenn ich lieber mitten in der Natur stehen möchte, oft reicht dort nicht einmal der Empfang, um eine E-Mail zu senden. Manchmal arbeite ich dann tagsüber einfach auch dort, wo es am besten klappt mit dem Netz und ziehe dann am Abend Richtung Wald oder Feld um. Aber ich fahre ungern mehrfach am Tag umher, sondern starte gern auch früh frisch direkt mit Arbeiten. Irgendwann findet da jeder seinen Rhythmus, setzt seine Prioritäten und lernt sich und seine Arbeitsweise besser kennen. Und da kommen wir gleich zur nächsten Herausforderung:

Reisetage vs. Arbeitstage: Manchmal sind Reisetage auch Arbeitstage. Oft nicht die allzu produktivsten, aber man kann auch in den Pausen ein bisschen was schaffen. Das ist aber auch wieder Typsache. Ich habe mir das aber einfach über die Zeit so angeeignet, daher kann ich auch „in Portionen“ ganz gut arbeiten. Bei größeren Projekten lege ich aber auch gern mal mehrtägige Pausen ein, um diese abzuarbeiten.

Neuorganisation alltäglicher Dinge: Zum Duschen schnell mal ins Bad und nebenbei die Waschmaschine anwerfen? Nee, das ist bei mir nicht mehr der Fall. Mittlerweile habe ich auch keine Toilette mehr an Bord, also muss ich auch diese mir täglich suchen. In der Natur ist das kein Problem (hier sei auf die tolle Folge des Vanlust-Podcast dazu verwiesen) und meistens stehe ich ja dort. Aber manchmal steht man nicht so günstig. Doch mit dem Auto ist man flexibel und meist recht schnell an der nächsten Tankstelle oder im nächsten Einkaufszentrum etc. Auch beim Thema Duschen/Körperhygiene wird man erfinderisch bzw. entdeckt plötzlich überall Möglichkeiten. Welche vielen Arten es da gibt, hat Thilo in diesem Artikel ganz ausführlich und unterhaltsam beschrieben.

Alleine reisen: Oft höre ich, wie mutig es doch sei, allein (als Frau) zu reisen und dass man (als Frau) es selbst nie machen würde. Naja, ich hatte da keine Wahl bzw. nur die, eben nicht auf Reisen zu gehen. Und das war keine Option. Mir macht das prinzipiell nichts aus und ich finde, die Welt ist lange nicht so gefährlich, wie es so oft in den Medien den Eindruck macht. Im Gegenteil, ich begegne (nicht erst) seit Februar 2017 nur tollen, offenen Menschen, die mit mir ihren Wein teilen, über die Politik ihres Landes schimpfen oder mich bzw. das Wohni aus dem Sand ziehen. Vieles wäre zu zweit einfacher und schöner, aber so wäre es auch in einer Wohnung mit einem Partner. Unterwegs habe ich jeden Tag die Möglichkeit, anderen Menschen zu begegnen oder auch tagelang einfach nur für mich zu sein. Und das genieße ich sehr.

         

Ich freue mich, dass du mir zugehört bzw. meinen nicht allzu kurzen Abriss gelesen hast.

Hast du noch Fragen an mich? Dann kontaktiere mich gerne unter: 

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Liebe Grüße und bis bald, online oder offline 😀

Deine Camper Nomadin Anja

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